eislaufautoren
ich hab ja große angst vor dem schreiben. weil das, was dabei herauskommt, also das geschriebene, nie perfekt sein kann. und weil es doch perfekt sein soll.
natürlich muss man dieses problem so lösen, dass man den anspruch auf perfektion aufgibt, wenn und weil man weiß, dass er nicht zu erfüllen ist.
und was ist schon perfektion? statt auf perfektion sollten wir auf kommunikation setzen. wenn es uns gelingt, etwas zu kommunizieren, dann rechtfertigt das wohl unseren text. oder nicht?
das, was wir kommunizieren, sollte relevant sein; je mehr menschen das kommunizierte für relevant erachten, um so besser. denn wir schreiben nicht für einen (toten?) gott, auch nicht für uns selbst; immer schreiben wir für andere.
wir wollen (und können!) uns mitteilen, das heißt auch: etwas teilen. unser text stiftet die gemeinschaft seiner leser – und ist somit wirklich UNSER text. und nicht mein text, obwohl ich ihn geschrieben habe.
in gewissem sinne gehört das geschriebene, wie die sprache selbst, allen menschen – die, lesend, es sich aneignen. freilich habe ich, als autor, einen besonderen bezug zu dem von mir geschriebenen, aber nur so, wie eine mutter zu ihrem kind: sie bringt es zur welt, ernährt es und erzieht es – und entlässt es in die weite welt, in die (relative) unabhängigkeit.
das kind, das kein kind mehr ist, gehört der welt. oder auch: es gehört niemandem. jedenfalls gehört es in die welt. es muss eine trennung von der mutter erfahren; und so auch der text, den der autor in die weite welt zwischen zwei buchdeckeln oder zwei mausklicks – jedenfalls in seine (relative) unabhängigkeit entlässt.
und wie das kind, so wird auch der text niemals perfekt sein. und wir sollten keine eislaufautoren sein.
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nein, recht haben sie.