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Über das Interesse an Politik

Nicht was durch politische Aktivität erreicht wird, ist interessant, sondern diese Aktivität selbst. Es gibt nichts zu erreichen, nur Möglichkeiten zu erhalten, alles irgendwie zusammenzuhalten … Was aber, betrachtet man das politische Geschehen, das wie eine Lawine oder ein Unglück über uns kommt, nein, stets schon gekommen ist, also: was, betrachtet man diese politische Malaise, sehr wohl interessant ist – das sind die Menschen, die sich entblößen, indem sie Forderungen stellen, urteilen & auftreten. Die sich entblößen, indem sie eine Meinung haben. Indem sie Schwerpunkte setzen, etwas glauben, verlangen … Ins Kleid dieser oder jener Ideolologie geschlüpft sind.

Die Menschen, die sich auch in anderen Zusammenhängen entblößen, die, mehr oder weniger selbstbewusst, mehr oder weniger …, dem Blick, einem Blick, sich darbieten, ausgebreitet wie Blumen oder eine ganze Wiese, also: die Menschen. Die Menschen interessieren. Wen? Die Menschen. Die Menschen beobachten. Das politische Geschehen, in dem sich politische & persönliche, ideologische & emotionale Manien, Fixierungen, Störungen ineinander verbeißen, powered by einem gewissen Zuviel-Wollen, das aus theologischen in politische Diskurse sich verlagerte, wo heute die Hexen verbrannt werden. Das, ja, das ist interessant.

Das Interesse an Politik ist ein Interesse an den Menschen. Nicht im Sinne mitleidsvoller Anteilnahme, die zu Handlungen führte, welche das Ziel hätten, Missstände zu beseitigen, zu helfen – nein, eher als ein Interesse an jenen Strukturen & Störungen, die man in & an sich selbst auch beobachten kann & zu vermeiden sucht. Reine Beobachtung, aus Lust am Beobachten. Weil in den Sachdebatten die Personen hervortreten, kenntlich werden, zu Objekten möglicher Erkenntnis werden. Die Personen, die sich aufreiben in den Debatten & aneinander, & die, wie auf dem Theater, dadurch erst Personen füreinander & für den Zuseher sind, dass sie – einander zerfleischen?

Dass es in der Politik ums große Ganze geht, um Wohl & Wehe einer Gesellschaft, ist notwendiger Vorwand für das Auftreten der Personen, deren Beobachtung uns lehrt, was es heißt, Mensch zu sein – mehr als irgendein noch so ausgeklügeltes Programm zur Vervollkommnung von Gesellschaft & Welt. Die in Ideologien & merkwürdige Einseitigkeiten verstrickten Personen, die auf der politischen Bühne handeln, sind nicht bloß zufälligerweise so & so begehrende Individuen, sondern Typen, recht prinzipielle, in die Form des Personalen – welche sonst? – gegossene, menschliche Möglichkeiten, die, das sollte klar sein, zu kennen genauso wichtig ist, wie sie – in ihrer Einseitigkeit, ihrer … – zu vermeiden. Bei der Betrachtung einer menschlichen Gestalt oder Scheißfresse ist mitunter mehr zu lernen als in den Seminarräumen, wo endlos geredet & variiert wird, was bekannt ist – auch wenn Sprache & Anschauung hier ebenso ineinander verschränkt sind wie anderswo.

Interessant sind die Menschen, zweifellos; interessant sind die Strukturen & Störungen, die den Akteuren korrelieren – interessant an sich, sozusagen. Interessant ist aber all das freilich auch, weil, wer dies liest, so gut wie ich – selbst Mensch ist, der, wenn er das politische Geschehen, andere Menschen, … beobachtet, immer auch sich selbst beobachtet. Das Interesse an Politik ist ein Interesse an den Menschen – ein Interesse an mir. Die Verbesserung der Welt ist ein Witz, der in diesen Zusammenhängen erzählt wird.

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