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11 Thesen

Es folgen (sehr) kurze Anmerkungen zu den 11 Thesen von Simon Inou.

These 1: Europa braucht MigrantInnen. In ganz Europa gibt es ganze Branchen, die ohne illegale Beschäftigung zusammenbrechen würden. Die Agrarwirtschaft, das Gastgewerbe, das Baugewerbe. Nicht zu vergessen wäre auch die Reklame und das Zeitungsgewerbe

Europa braucht keine illegalen Einwanderer. Europa braucht vielleicht Einwanderer, aber illegale Einwanderung ist, nun ja — illegal.

These 2: Europa ist ein Einwanderungskontinent und wird es bleiben. Europa ist seit den 50er Jahren ein Einwanderungskontinent (S. 9). 56 Millionen Einwanderer leben in den EU Staaten. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter nimmt in der EU ab und kann nur durch Einwanderung gedeckt werden. Siehe: Grünbuch der EU-Kommission.

Europa ist derzeit ein Einwanderungskontinent, ja. Eine absolute Abschottung kommt auch nicht in Frage. Langfristig ist es aber wünschenswert, den Bedarf an „Personen im erwerbsfähigen Alter“ etc. eher durch angemessene Fortpflanzungsraten als durch endlose Zuwanderung zu decken.

These 3: Europa betrachtet Migration als Sicherheitsgefährdung. Migration wird in Europa nur unter dem Aspekt der Sicherheit betrachtet. Was zu einem Mauerbau an den EU Grenzen führt. Die EU hat eine Reihe von Schutzmassnahmen entwickelt, die vor allem mit Sicherheit zu tun haben. Programme wie ARGO, GALILEO, EURODAC, CIREFI und SIVE u.a. dienen zum Schutz der EU Grenzen….

Migration wird in Europa nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Sicherheit betrachtet. Dieser Aspekt ist allerdings durchaus legitim, wie andere Aspekte auch. Es gibt beispielsweise auch einen recht präsenten Diskurs der „Bereicherung durch Zuwanderung“.

These 4: Der EU Arbeitsmark braucht MigrantInnen. MigrantInnen kommen nach Europa, weil sie Arbeit suchen. Besser gesagt, weil sie nach Arbeit jagen. Der globale Kapitalismus erzeugt weltweite Armut.

Migranten kommen nach Europa, weil Europa reich ist — viel reicher als die Länder, aus denen die meisten Migranten kommen. Es ist vernünftig anzunehmen, dass dabei sowohl Arbeitsmöglichkeiten als auch der ausgebaute Sozialstaat & die europäische Kümmermentalität als Anreize wirken … Der globale Kapitalismus erzeugt, während er historisch einzigartigen Reichtum hervorbringt, auch neue Ungleichheiten & Unsicherheiten, aber kaum absolute Armut. Insgesamt profitiert die Menschheit vom Kapitalismus.

These 5: Rassismus als Hauptgrund der Ausschliessung. Die Präsenz von MigrantInnen wird in der EU nicht wahrgenommen. Es entsteht Ghettoisierung aufgrund von Ausschlussmechanismen wie institutionellem Rassismus, die einen Nährboden von Krawalle, Islamismus etc. darstellen.

Das sind die üblichen Prozesse & Probleme in multikulturellen Gesellschaften. Die Probleme, die es hier gibt, können nicht monokausal auf den „Rassismus der Mehrheitsgesellschaft“ zurückgeführt werden. Die Situation ist wesentlich komplexer.

These 6: Ausgeschlossene Europäer gefährden die Sicherheit Europas. Krawalle in Frankreich, Terrorismus in den U-Bahnen in Grossbritanien sowie Spanien sind nicht Werke von MigrantInnen sondern von EU-Bürgern, die seit zwei bis drei Generationen in der EU leben und die ausgeschlossen werden.

Siehe Punkt 5. Die Situation ist wesentlich komplexer.

These 7: Alle Modelle der Akzeptanz von MigrantInnen in Europa haben versagt. In der EU haben alle Arten von Politik betreffen MigrantInnen versagt. Multikulturalismus (England), Assimilation (Frankrein) und Integration (Österreich, Deutschland) gelingt es nicht Menschen anderer Herkunft in Europa zu akzeptieren.

Ich denke & hoffe, dass es schon funktionieren wird, Zuwanderer sinnvoll in unsere Gesellschaften zu integrieren. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es nicht zu viele sind.

These 8: Migrantinnen in Europa leiden am meisten. Von allen MigrantInnen-Gruppen und Subgruppen leiden die Frauen am meisten. Warum? Aufgrund ihres Geschlechtes aber auch oft aufgrund ihrer Hautfarbe.

Das ist möglich. Ein Häppchen für die Feministinnen, hm?

These 9: MigrantInnen helfen Herkunfts- sowie Aufnahmeländern MigrantInnen leisten finanziell, kulturell und gesellschaftlich viel für ihre Herkunftsländer sowie für ihre Aufnahmeländer. Jeder Migrant schafft, indem er aus dem Ausland Geld schickt, vier Arbeitsplätze zu Hause. Wenn er zurückkehrt, fällt die Hälfte davon weg. „Der Migrant in der Fremde ist besser als der Migrant, der zurückkehrt.

Viele Migranten leisten wahrscheinlich sehr viel für Herkunfts- & Aufnahmeländer. Dass jeder Migrant durch Überweisungen vier Arbeitsplätze schafft, klingt aber etwas unrealistisch. Man kann sicher nicht so allgemein sagen, dass „(je)der Migrant in der Fremde besser ist als der Migrant, der zurückkehrt“.

These 10: Die EU Entwicklungspolitik wird nicht zugunsten der Aufnahmeländer konzipiert

Wie ist das gemeint?

These 11: Immer mehr Menschen aus anderen Kontinenten z.B. aus Asien benutzen Afrika als Einreiseweg nach Europa Mit dem syrischen Krieg ist es noch wahrer geworden als vor 10 Jahren.

Das stimmt. Und es ist traurig. Kriegsflüchtlingen muss geholfen werden. Aber weder ist Europa für sämtliche Probleme, die es auf der Welt gibt & geben wird, verantwortlich, noch sind die Kapazitäten zur Aufnahme & Integration von Migranten in Europa so groß, wie manche Menschen glauben … Dass es jetzt schon einige Konflikte & Probleme, wie unter Punkt 5 & 6 angedeutet, gibt, bedeutet, dass man hier sehr vorsichtig agieren sollte.

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