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Kontrarianismus

1. Ich bin kein Kontrarianer. Der Account @b_thaler sagt im Allgemeinen nur, was einfach wahr ist.

2. Trotzdem: Was ist Kontrarianismus? Hat das einen Sinn? Oder geht es nur darum, ‚anders‘ zu sein? Was tatsächlich kindisch wäre … Knapp zusammengefasst: Kontrarianismus hat subjektiv den Sinn, Spaß zu machen & dem Kontrarianer neue Denkräume zu eröffnen. Mitunter wird, was nur spielerisch erprobte oder ironisch artikulierte ‚Meinung‘ war, zu echter Überzeugung. Man lernt die Welt der Ideen kennen & vor allem lernt man andere Positionen auch wirklich von innen kennen, weil man sie sich — in einem Experiment — zu eigen macht: Man versucht, andere, verschiedene, ja die verschiedensten Standpunkte — wenigstens provisorisch — ernstzunehmen, sich einzufühlen, die Welt mit anderen Augen zu sehen … Das ist, unabhängig von Wert, Korrektheit oder Angemessenheit der einzelnen Positionen, wertvoll.

Kontrarianismus hat zudem objektiv den Sinn, das Spektrum an öffentlich mit Argumenten vertretenen Positionen breit zu halten; leistet also einen Beitrag zu einer lebendigen Diskussionskultur, welche Grundlage einer liberalen Gesellschaft ist. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Absichten des Kontrarianers ja gar keine Rolle spielen für die Qualität des Debattenbeitrags. Es geht ausschließlich darum, die Argumente zu prüfen. Ein Beitrag, der nicht ernst gemeint ist, kann Argumente & Sichtweisen enthalten, die korrekt oder interessant sind …

Der Kontrarianismus, der natürlich — ja, das muss man zugeben — auch zu infantilem Nein-Sagen & selbstzweckhaftem Das-Gegenteil-Behaupten degenerieren kann, leistet also einen wichtigen Beitrag zu einer liberalen Gesellschaft, deren Bürger & Debattenteilnehmer ja schließlich wissen oder immerhin wissen sollten, dass niemand, wie man so schön sagt — die Wahrheit gepachtet hat.

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