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Funny Games

Das Leben ist wie dieser Film von Haneke, über den Seeßlen schreibt, für das in ihm gespielte Spiel, das Mörderspiel, gebe es keinen Grund, außer dass man es spielen kann. Es geht in „Funny Games“ ja nicht um Gewalt, sondern um das Leben. Es geht darum, dass das Leben eine Zumutung ist, too much. Gewalt ist freilich ein Teil des Lebens, ja in gewisser Hinsicht seine Grundlage. Im Übrigen gibt es keine Gründe.

Spiele gibt’s zu spielen viele … Die Frage ist nicht, warum zwei Menschen das tun. Die Frage ist eher, warum die meisten Menschen nichts Derartiges tun … Ein Spiel hat Spielregeln, freilich. Aber das Leben ist kein Spiel, sondern eine Zumutung; es transzendiert jedes mögliche Spiel. Allerdings transzendiert es niemals sich selbst, sondern endet einfach. Der Tod … Das Leben ist too much & nie genug.

Da das Leben eine Zumutung ist, dringen die Jungs in den Raum der Familie ein, quälen, töten, zerstören die Familie … Die Bewegung des Eindringens dominiert in „Funny Games“: Eindringen in das Haus, in Körper & Geist der Mitmenschen … Die Jungs spiegeln in dem anwachsenden Zuviel ihrer Präsenz auch das Zuviel des Lebens. Und die Mitmenschen sind auch too much.

Schön oder gut ist das alles natürlich nicht. Aber es ist wahr … Die meisten Menschen, die gesunden Menschen (oder wie man sie auch nennen möchte …) spielen freilich andere Spiele als die Jungs in „Funny Games“ — was ich gut finde. Es ist eine Tatsache, dass die meisten Menschen andere Spiele spielen. Aber es bleibt dabei, dass das Leben — das eine Zumutung ist — nicht prinzipiell so organisiert ist, dass es alle anderen Spiele, die möglich sind, gegenüber jenem Mörderspiel aus „Funny Games“ auf systematische Weise privilegieren würde … Dass hier kein prinzipieller Unterschied besteht, das kann man schlecht oder skandalös … finden.

Mit anderen Worten: Da das Leben nicht prinzipiell das Gute gegenüber dem Bösen privilegiert, ist das Leben insgesamt eher böse.

(Und die Alternative, radikal gedacht, wäre — natürlich — nur Gott.)

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