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Freiheit

Freiheit

Meine Literatur soll eine Sammlung von wahren Sätzen sein

I

Opake Mitmenschen in Kleidungsstücken
zu
unterschiedlichen
Preisen.

Wörter, die jemand mag,
lösen bei ihm ein Nicken aus.
Wenn man das antizipiert,
ist es witzig.

Man antizipiert zB
dezentes Headbangen zu der
Vokabel
„dekonstruieren“.

Alles mit dem Wort
„dekonstruieren“
ist witzig.
Alles mit Hitler ist witzig.

Ich versuche, die Dinge zu mögen.
Warme Suppe
mit Brot & die Zigarette
danach.

Bei Fauser
nachschlagen, was die Säufer wollen.
Eine gute Definition mit
notwendigen & hinreichenden Bedingungen.

Ein gesundes Mädchen mit 22 Jahren.
Keine Angst vor der Beschreibung der Welt.
Ein Wort für ein Ding.
Usw.

Sich einfach permanent beschäftigen,
& nichts kann passieren,
man ist
in Sicherheit.

(Der Verrückte wirkt verrückt, wenn & weil er
die alleralltäglichsten Strukturen
des Menschenlebens
von außen beschreibt.)

Ein angenehm verbrannter Gaumen.
(Der Gaumen ist ein Widerlager für die Zunge
& hat dadurch große Bedeutung bei der Nahrungsaufnahme
& beim Sprechen.)

(Ich mag den Gaumen.)
Es gibt keinen Grund,
Angst zu haben.
Die Angst ist der Grund.

Meine Literatur soll eine Sammlung
von wahren Sätzen sein.
Ich mag das Wort „Arsch“.
Ich hoffe, Du liest das.

An einer Jogginghose kann man sich
unbesorgt die Finger abwischen.
Manchmal beunruhigt mich die Tatsache,
dass es „logische Implikation“ gibt.

II

Wenn man hungrig ist, fällt es einem schwer,
die Höflichkeitsregeln beim Sich-Bedienen
an einem Buffet einzuhalten.
Die Wütenden haben recht, wütend zu sein.

Die Traurigen haben recht,
traurig zu sein.
Die Versöhnten haben recht,
versöhnt zu sein.

Ironie ist elitär,
weil sie Verständlichkeit minimiert.
(Wittgenstein war nicht ironisch.)
(Ich bin nicht ironisch.)

Big Lie

Gegen das Trauma
der Welt
wurde
die Welt
errichtet.

Gegen das Trauma
unserer
Big Love
zum Falschen
& Bösen.

Gegen die Tatsache,
dass
„die Welt“
den Starken
rechtmäßig zufällt.

Gegen die Tatsachen. Gegen
alle Tatsachen.
Gibt es
andere
Handtaschen.

Gegen den Fakt,
dass Daddy — — —
Gegen die
Welt
gibt es nichts.

2. Lied jenseits der Menschheit

Die Sonne ist:
in: der Sonne
aufgegangen

transzendiert:
noch brav
den Horizont.

Meine politische Einstellung: Sebastian
Kurz transzendiert
„die Postmoderne“. Wir
werden:

Nichtmenschen!
sondern:
omnipotente Viren: sein:
wie: Gott!

Sag das: den Menschen

1. Lied jenseits der Menschheit

Wir starren
wie die Affen
auf Prozesse,
die uns bald
ersetzen.

Gewonnen ist die Welt
endgültig! Und
von „Seele“
keine Rede.

Die „Menschheit“ — das
ist klar — bleibt
Episode,
in Raum & Zeit
so bitter fremd.

(So seltsam eingestreut,
so in den Wind
gespuckt, unendlich
fremd.)

Entfernung

Du stehst
da, wie
ein Clown,
ein sadder,
jeden Tag, da
wird alles
besser, auch
die Bomben.

November stahl
dir Farben,
strahlt sie aus,
verschmiert
mit Schminke
auch das da:
„die Welt“
(lass los)

Es gibt
noch Dialoge, die
gehen so:
„Du kennst ihn?“
„Ja.“
„Ich habe
Angst. So früh
die Nacht …“

Und Kinder auf den Lippen
tragen stolz
die Fieberblasen
& ein Lied,
das geht, ich weiß
nicht wie …
Geht weiter,
weiter, weiter.

Uns bleibt ja nur der Fortschritt

Im ewigen Hain
online
tauschen wir Schmerz
Liebe
Schmerz Liebe
Schmerz
Liebe.

Oder so.

Fürs grauenvolle
Kommende
fürs Fremdeste
der Zukunft

Fehlt
der Mangel. Haben wir kein

Wort.

Nationalliteratur

Sperrig veratmet
die Wunde.

Lichtjahre in die Zukunft verjagt.
Welt-

Wert-Zusammenhang
„dekonstruiert“.

Schürfst du Äpfel
& Birnen.

Lodert der Zeichen
Zorn.

Glashaussitzer, Steinewerfer

Einsam sitzt ein jeder
summend vor sich hin
in seinem Glashaus.

Wirft mit kleinen Kieseln,
trifft die Wände nicht
in seinem Glashaus.

Wirft mit großen Steinen,
trifft die Wände nicht
in seinem Glashaus.

Bis sich die Erkenntnis formt:
Jedes Glashaus ist
die große, weite Welt.

Never be the same again

Things will never be the same again.
It’s just the beginning
& it’s the end.

We’re more likely to get cancer than to get married.
And then — — —
we’ll never be the same again.

Never be the same again.
Never be the same again.
Never be the same again.

Kleiner Vorwurf

Verwehtes Fleisch,
bekannt fürs Leiden, hängt
am Kreuz
(ab)

Tausendjahrespäter:
nix

Tausendjahrespäter:
nix

Tausendjahrespäter:
Die Ewiglebenden der Zukunft
schweben

(Sanft im Selbstgefühl
der Seligkeit usw.
usf.)

Die Ewiglebenden der Zukunft
hängen an Maschinen,
Narzissus am Kreuz

Die Ewigleidenden der Zukunft,
jemand:
„Word“

Narzissus

Die ach so tief
vom Nichts geprägte
„menschliche“
Psyche

(Sammlung & Summe
absurder Zwänge)

beugt sich über ihren Gegenstand:
da ist nichts.

(Aus den Worten,
die er spricht, quillt
Narzissus stranges,
zähes Ich.

Erinnerung an Nichts,
wie es war
& nicht war. Er murmelt:
Usw. usf.)