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Dans mon Grand Cahier (für Julia)

Die ohne Ende leeren Tage
Und die Frage “Vous sentez quoi? Une plénitude?”
Ost in den Laternen
“Je ne sens rien”

Rebel With(out) a Cause

Der sympathische ältere Herr, den Sie hier sehen …

… wird, zumindest diesem Plakat zufolge …

… auch am neuen Salzburger Hauptbahnhof zum Rauchen nicht extra in die Raucherzone gehen.

So ein Horst

Was es ist

I

Arbeit schändet
Sehnsucht
Endet
Hier

Und die Flaneure auf den Wall Streets
Bieten
Der Entfremdung noch
Paroli

End=
lich
Ein Lichtstreif am radarverzierten
Horizont

II

Unsere Herzen sind
Nicht
Judiziabel
Und Abrams-Panzer wüstentauglich

In den Ozeanen
Die
Zugerichtet für die Weltmacht
Die

Unseren Gelüsten dient
Endlos
Ebbe und Flut inszenieren
Gähnt

III

Ein Spiegel
In
Dem wir
Den Lidstrich kontrollieren

Linksradikalismus und Marienverehrung



NMDE, Skizze

Mein langer Mantel, ein Schatten aus fruchtlosen Synthesen, flattert im Wind, hinter mir, über der Welt, die ich im Rücken habe, hinter/über mir, als ich die Straße, irgendeine Straße, durchnässt, hinuntergehe; und an den dunklen Schaufenstern und Menschen vorbei; und ohne Ziel.

Und ich bin einsam; und ich muss zu den Menschen sprechen; sie warnen, sagen wir mal. Und da ist keine Sonne mehr am Himmel, und der Himmel selbst ist nicht am Himmel/im Bilde – worüber? Ich bin ein Abgesandter. Ich bin kein Diplomat. Mein langer Mantel, ein Schatten aus fruchtlosen Synthesen, flattert im Wind; dieser, der Wind, ist dramatisches Requisit – ER hat für das setting gesorgt; und er trägt immer Sorge; ich spreche für IHN.

Ihr habt die Videos auf youtube gesehen, sie künden von einem Ende sans phrase; ihr habt in euren Nächten das Gewicht der Träume nie verleugnet; ihr seid eine brave Menschheit – gewesen. Die Zeit muss ja doch einmal – in Ewigkeit – umschlagen, nicht? Ich bin da. Ich habe eine Kreditkarte sans limite. Ihr habt mich im Fernsehen gesehen, in der Werbung – für den Weißen Riesen; ich bin auf facebook; ich bin nah. Schwerer als die Schwere der Dinge – stöhnen meine Stiefel durch die Nacht. Ich bin der, den ihr erwartet. Ich bin mehr, als ihr erwartet. Ich bin die marschierende Nacht; ich bin nah.

Auf Schritt und Tritt verdunkelt – die Nuancen, sie sind mein Metier, aren’t they? – die Nacht sich noch ein kleines Stück, ein Stückchen – in dem Maße, wie/wo ich fortschreite. Und eure Ideen pflücke ich aus der Luft und in mein Notizbuch, eure Lieben, eure Hässe auch; denn ich bin nah, und ich notiere, ich notiere – wie ihr’s auf dem flatscreen gesehen. Ihr braucht keine Angst zu haben – vor dem schwarzen Mann. Ihr braucht keine Angst zu haben; denn es ist alles schon geschehen; alles schon gesehen; immer schon a game.

Ich bin die Schlampe mit dem britischen Akzent in dem einen Video auf youtube, in dem sie erklärt how to look like a slut. Ich bin Barack Obama, wenn er sagt dass we can. Ich bin das deutsche Feuilleton, wenn es endlich – schweigt. Früher haben sie mir den Spitznamen Atomtod – oder so – verpasst und mich – gehasst. Keine Angst: Es ist alles schon geschehen. Ich bringe nur noch Frieden und die Qualen der Hölle. Ich kicke die Coladose beckham-style in Richtung Fahrbahn, und das Auto, das mir entgegen kommt, nimmt keine Notiz. Aber alles hat seine Zeit und seinen Ort, und ich komme, ich bin nah; ich bin fast schon.

Ich betrete ein Gasthaus und steuere direkt auf den hinter der Bar seinen Dienst versehenden Kellner oder auch Menschen zu:

„…“
„Ähhhh … Ja, was kann ich für Sie tun?“
„Nichts.“

Seine verwirrten Blicke betreffen mich nicht, sie gelten seinem eigenen Dasein, das inappropriate ist – er weiß es nur nicht. Ich bestelle aber ein Bier. Es bringt es mir mit dem widerlich-jovialen Ausdruck des Alles-für-einen-Scherz-Haltens. Natürlich verachte ich ihn, tausche aber – pflicht- und auftragsgemäß – gut gelaunt(e) Floskeln mit ihm aus. Unsere Münder küssen sich – scheinbar – im Akt der Kommunikation. Berührung ist längst nicht nur Metapher für … Im Modus der Vorwegnahme: Die Präsenz, die ich bin, bricht die materialistische Abgeschlossenheit der Welt gegen ein Höheres auf. Ich bin von IHM gesandt; und, ja: ER ist ein Mann. Unsere Küsse über das Bier hinweg, im Akt der Kommunikation, werden intensiver, einfach durch den Fluss der Zeit, der sich zu beschleunigen scheint, seit ich anwesend bin. Ich trinke soviel Bier. Das Gasthaus füllt sich mit Kellnern oder auch Menschen, nein, nur Menschen tout court. Alles erglüht im Zeichen meiner Anwesenheit. Die Menschen fragen mich, wer ich bin, und ich gebe ihnen zur Antwort:

„Ich bin …“

Es ergibt sich, dass ein besonders aufgeweckter oder auch aufgeschreckter junger Mann neben mir Platz nimmt, der, nach einer gewissen anfänglichen Schüchternheit, sehr bereitwillig über seine Lebensumstände und den üblichen Schwachsinn – so seine Worte – Auskunft gibt. Ich habe gefunden; er hat das Zauberwort gesagt; er wird – bei mir – sein oder auch bleiben. Die übrigen Teilnehmer an den von mir initiierten Sauf- und Redekaskaden halten sich eher im Hintergrund; ich kann nicht für jeden von euch dasselbe bedeuten; es gibt Menschen, die sind auserwählt; und es gibt den Rest … Aber für jeden von ihnen kann der Begriff der Erlösung in einem sinnvollen Satz artikuliert werden – in reinem, unverfälschtem Deutsch. So will ich meine Jugend. Ich gebe daher – durchaus als exemplum – eine kurze Charakterisierung des jungen Mannes, auf dem meine Augen mit solchem Wohlgefallen ruhen: Daniel ist …

Summer of Love

I

Paul defiliert
Vor
Dem Erschießungs=
kommando

Ich liebe die Bullen
Stammelt
Paul errötend
Diese Schweine

II

Und oh die
Unschuldige
Polnische Ebene
Soff Millionen Liter Blut

Die weiße
Kreide
Unserer Hände
Im roten Licht der endlich oh endlich sterbenden Sonne

III

Eigentlich so Paul
Sei Deutschland
Ja tot
Und trotzdem könnten wir nicht leben

Kleines Salzburg-Triptychon



Ceci n’est pas une lolcat

Für eine relevante Literatur

Wer seine Kinder davor bewahren möchte, zu unsexy Bücherwürmern zu werden, der sollte möglichst früh entsprechende Maßnahmen treffen und sie zur Lektüre abschreckender Werke, wie zum Beispiel Ronald Pohls Spindelstürmer, anhalten. Sie werden dann für immer vom Glauben an Wert und Relevanz der schönen Literatur geheilt sein.

Es kann nicht darum gehen, dem Autor der drei Kurzromane, deren längster und auch verhältnismäßig gelungenster die titelgebenden Spindelstürmer sind, die literarische Begabung abzusprechen: Nein, schreiben kann er – aber leider schreibt er auch bloß, um zu zeigen, dass er schreiben kann. Wobei: Man kann auch besser schreiben – aber das ist eine slightly andere Geschichte. Diese Anmerkungen zu einem leider nicht ganz untypischen Fall von vergeudetem Talent sollen lediglich auf die totale Irrelevanz einer Literatur aufmerksam machen, die nicht viel mehr sein will, als möglichst literarisch.

Das Problem ist, kurz gesagt, dass nichts auf jenen 135 bedruckten, verkauften und wohl auch gelesenen Seiten, die unter dem bekannten nichtssagenden Titel versammelt sind, mich auf irgendeine Weise berührt. Nichts davon interessiert mich: weder die sprachliche Form, die ermüdend, noch der Inhalt, der vage und unoriginell ist. Freilich findet man hier und da eine wirklich gelungene Formulierung, eine ansprechende Metapher oder dergleichen, aber … Das Korn im Heuhaufen, auch ein blindes Huhn – zwei Metaphern: diese produktions-, jene rezeptionsästhetisch zu verstehen.

Ich habe von mir gesprochen. Ich fordere Literatur, die mich berührt. Aber das ist das gute Recht jedes Lesers, der sich nicht mit pseudoavangardistischer Restlverwertung zufrieden geben möchte. Daher sage ich: Wir brauchen eine Literatur, die mehr als nur Literatur sein will – eine relevante Literatur, die auch keine Angst davor hat, am Ende vielleicht gar keine Literatur mehr zu sein. Eine Literatur, die, auch wenn sie durchaus schwierig sein kann, darauf brennt, verstanden zu werden – und zwar deshalb, weil sie etwas zu sagen hat. Was wir wollen, ist keine politische oder irgendwie engagierte Literatur, nein, ganz und gar nicht, sondern eigentlich nur eine wirklich gute Literatur. Es gibt diese Literatur, es hat sie gegeben und es wird sie auch weiterhin geben – solange Menschen etwas zu sagen haben. Die Spindelstürmer aber können in diesem Zusammenhang leider nur, und nicht nur für unsere Kinder, als abschreckendes Beispiel dienen.