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Für eine relevante Literatur

Wer seine Kinder davor bewahren möchte, zu unsexy Bücherwürmern zu werden, der sollte möglichst früh entsprechende Maßnahmen treffen und sie zur Lektüre abschreckender Werke, wie zum Beispiel Ronald Pohls Spindelstürmer, anhalten. Sie werden dann für immer vom Glauben an Wert und Relevanz der schönen Literatur geheilt sein.

Es kann nicht darum gehen, dem Autor der drei Kurzromane, deren längster und auch verhältnismäßig gelungenster die titelgebenden Spindelstürmer sind, die literarische Begabung abzusprechen: Nein, schreiben kann er – aber leider schreibt er auch bloß, um zu zeigen, dass er schreiben kann. Wobei: Man kann auch besser schreiben – aber das ist eine slightly andere Geschichte. Diese Anmerkungen zu einem leider nicht ganz untypischen Fall von vergeudetem Talent sollen lediglich auf die totale Irrelevanz einer Literatur aufmerksam machen, die nicht viel mehr sein will, als möglichst literarisch.

Das Problem ist, kurz gesagt, dass nichts auf jenen 135 bedruckten, verkauften und wohl auch gelesenen Seiten, die unter dem bekannten nichtssagenden Titel versammelt sind, mich auf irgendeine Weise berührt. Nichts davon interessiert mich: weder die sprachliche Form, die ermüdend, noch der Inhalt, der vage und unoriginell ist. Freilich findet man hier und da eine wirklich gelungene Formulierung, eine ansprechende Metapher oder dergleichen, aber … Das Korn im Heuhaufen, auch ein blindes Huhn – zwei Metaphern: diese produktions-, jene rezeptionsästhetisch zu verstehen.

Ich habe von mir gesprochen. Ich fordere Literatur, die mich berührt. Aber das ist das gute Recht jedes Lesers, der sich nicht mit pseudoavangardistischer Restlverwertung zufrieden geben möchte. Daher sage ich: Wir brauchen eine Literatur, die mehr als nur Literatur sein will – eine relevante Literatur, die auch keine Angst davor hat, am Ende vielleicht gar keine Literatur mehr zu sein. Eine Literatur, die, auch wenn sie durchaus schwierig sein kann, darauf brennt, verstanden zu werden – und zwar deshalb, weil sie etwas zu sagen hat. Was wir wollen, ist keine politische oder irgendwie engagierte Literatur, nein, ganz und gar nicht, sondern eigentlich nur eine wirklich gute Literatur. Es gibt diese Literatur, es hat sie gegeben und es wird sie auch weiterhin geben – solange Menschen etwas zu sagen haben. Die Spindelstürmer aber können in diesem Zusammenhang leider nur, und nicht nur für unsere Kinder, als abschreckendes Beispiel dienen.

ÖVP-Bashing

Die ÖVP ist böse. Neuestes Beweisstück.

Natürlich ist dieses Plakat “verlogen” und “bürgerlich” (siehe Link!) – zwei Adjektive, die man zur Beschreibung der ÖVP stets bei der Hand haben sollte. Die ÖVP ist im Grunde wie die FPÖ, nur eben “verlogener”, weniger aufrichtig, also eigentlich fast noch schlimmer, nicht wahr?

Dass auf dem Plakat eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit, vielleicht auf ungeschickte, etwas aufdringliche Art und Weise, mit polemischem Unterton, festgehalten wird – wen interessiert das? Dass sogar dieser polemische Unterton gerechtfertigt sein könnte, wenn die Selbstverständlichkeit, dass die Beherrschung der deutschen Sprache für das Leben in Österreich essentiell ist, nicht allgemein als Selbstverständlichkeit anerkannt wird – bitte, was?? Das ist ein böses ÖVP-Plakat! Schau, da steht’s ja: “am besten auf deutsch”! Wie “hinterfotzig stimmungsmachend”! Sind wahrscheinlich auch alles verkappte Deutschnationale! Außerdem beherrschen sie ihre eigene Sprache nicht, ist ja alles klein geschrieben …

Und, außerdem, zwei Wörter: Engelbert Dollfuß.

Was mich begeistert

call to arms

I

wir kommen alle aus dem nebel
den
die gelben kinderjacken
flecken

wir kommen alle aus den nächten
die
gewittrig sind und dunkler als
kaffee

unsere heimat ist das grauenvolle
dem
unsere erste liebe
galt

II

wohin wir gehen – wir
verlassen
nie das land der
kindheit

unsere augen sind wie seen
in
deren tiefen still die
karpfen stehen

fische deren fleisch
so
fest und weich ist wie
der wahnsinn

III

ich bin durch
mais=
felder gelaufen
barfuß

ich habe kastanien
und
roten ahorn gesammelt
im herbst

meine jacke war
gelb
wir kommen alle
aus dem schmerz

Ratte oder Hund?

In Berlin hat ein Kongress zur “Idee des Kommunismus” stattgefunden. Diskutiert wurde unter anderem, ob Anti-Kommunisten denn nun eher als Hunde oder als Ratten zu bezeichnen seien, wie Der Freitag berichtet. Some dogs never learn … Aber freuen wir uns doch darüber, dass die geschichtliche Mission heute nur noch rhetorische Exzesse rechtfertigt.

Blabla, Homie

Homie Blabla sagt:

“Das Schöne an Yeah5 ist ja die Beschränkung, die aus der Einfachheit der Form entsteht: Ein Bild nach dem anderen, immer schön linear, nur zwei Richtungen, in die man scrollen kann: hinauf und hinunter. Beliebige Inhalte. Und nur die Bilder, eins nach dem andern, jedes von ihnen bekommt Raum sich zu entfalten.

Insgesamt doch wieder der Eindruck von Chaos, weil es so viele Bilder sind. Aber der Eindruck täuscht: Die Strenge der Form, im metaphysischen Sinne hinter der Mannigfaltigkeit der visuellen Eindrücke, die Strenge der formalen Gestaltung der Website also, sie ist jene Kraft, durch die das Chaos immer schon gebändigt ist.

Diese Bändigung und Bewältigung des Sinnlichen durch die Form verweist auf die Sehnsucht nach Bindung, die das Gegenteil der Einbindung von Beliebigem ist, und die idealiter als ethische und ästhetische Selbstbindung und Selbstbeschränkung durch so etwas wie das von Kant adorierte Gesetz sich manifestiert. Diese Sehnsucht nach Bindung und Strenge der Form steht in einem Verhältnis der sanften Ironie zum wiederholten und in der Wiederholung sich entleerenden Yeah der Popkultur, welches dem Projekt den Titel gibt.

Sanfte Ironie, die nicht das Gegenteil von ethischer Selbstbindung und Ernsthaftigkeit ist, sondern vielmehr deren notwendiges Komplement, ist dann wohl auch jene Stimmung, in der man sich befinden sollte, wenn man den Strom der Bilder betrachtet – durch den man die Welt sieht.”

Incipit

Die Welt ist längst verkauft, und …

gehört immer den anderen, während wir schwarze Handschuhe tragen müssen.

Aber …

solange es beim Hofer billige Leinwände gibt, ist eigentlich alles okay. Und ich freu mich auf regelmäßiges Bloggen. Denn das ist – nicht nichts.