Mein langer Mantel, ein Schatten aus fruchtlosen Synthesen, flattert im Wind, hinter mir, über der Welt, die ich im Rücken habe, hinter/über mir, als ich die Straße, irgendeine Straße, durchnässt, hinuntergehe; und an den dunklen Schaufenstern und Menschen vorbei; und ohne Ziel.
Und ich bin einsam; und ich muss zu den Menschen sprechen; sie warnen, sagen wir mal. Und da ist keine Sonne mehr am Himmel, und der Himmel selbst ist nicht am Himmel/im Bilde – worüber? Ich bin ein Abgesandter. Ich bin kein Diplomat. Mein langer Mantel, ein Schatten aus fruchtlosen Synthesen, flattert im Wind; dieser, der Wind, ist dramatisches Requisit – ER hat für das setting gesorgt; und er trägt immer Sorge; ich spreche für IHN.
Ihr habt die Videos auf youtube gesehen, sie künden von einem Ende sans phrase; ihr habt in euren Nächten das Gewicht der Träume nie verleugnet; ihr seid eine brave Menschheit – gewesen. Die Zeit muss ja doch einmal – in Ewigkeit – umschlagen, nicht? Ich bin da. Ich habe eine Kreditkarte sans limite. Ihr habt mich im Fernsehen gesehen, in der Werbung – für den Weißen Riesen; ich bin auf facebook; ich bin nah. Schwerer als die Schwere der Dinge – stöhnen meine Stiefel durch die Nacht. Ich bin der, den ihr erwartet. Ich bin mehr, als ihr erwartet. Ich bin die marschierende Nacht; ich bin nah.
Auf Schritt und Tritt verdunkelt – die Nuancen, sie sind mein Metier, aren’t they? – die Nacht sich noch ein kleines Stück, ein Stückchen – in dem Maße, wie/wo ich fortschreite. Und eure Ideen pflücke ich aus der Luft und in mein Notizbuch, eure Lieben, eure Hässe auch; denn ich bin nah, und ich notiere, ich notiere – wie ihr’s auf dem flatscreen gesehen. Ihr braucht keine Angst zu haben – vor dem schwarzen Mann. Ihr braucht keine Angst zu haben; denn es ist alles schon geschehen; alles schon gesehen; immer schon a game.
Ich bin die Schlampe mit dem britischen Akzent in dem einen Video auf youtube, in dem sie erklärt how to look like a slut. Ich bin Barack Obama, wenn er sagt dass we can. Ich bin das deutsche Feuilleton, wenn es endlich – schweigt. Früher haben sie mir den Spitznamen Atomtod – oder so – verpasst und mich – gehasst. Keine Angst: Es ist alles schon geschehen. Ich bringe nur noch Frieden und die Qualen der Hölle. Ich kicke die Coladose beckham-style in Richtung Fahrbahn, und das Auto, das mir entgegen kommt, nimmt keine Notiz. Aber alles hat seine Zeit und seinen Ort, und ich komme, ich bin nah; ich bin fast schon.
Ich betrete ein Gasthaus und steuere direkt auf den hinter der Bar seinen Dienst versehenden Kellner oder auch Menschen zu:
„…“
„Ähhhh … Ja, was kann ich für Sie tun?“
„Nichts.“
Seine verwirrten Blicke betreffen mich nicht, sie gelten seinem eigenen Dasein, das inappropriate ist – er weiß es nur nicht. Ich bestelle aber ein Bier. Es bringt es mir mit dem widerlich-jovialen Ausdruck des Alles-für-einen-Scherz-Haltens. Natürlich verachte ich ihn, tausche aber – pflicht- und auftragsgemäß – gut gelaunt(e) Floskeln mit ihm aus. Unsere Münder küssen sich – scheinbar – im Akt der Kommunikation. Berührung ist längst nicht nur Metapher für … Im Modus der Vorwegnahme: Die Präsenz, die ich bin, bricht die materialistische Abgeschlossenheit der Welt gegen ein Höheres auf. Ich bin von IHM gesandt; und, ja: ER ist ein Mann. Unsere Küsse über das Bier hinweg, im Akt der Kommunikation, werden intensiver, einfach durch den Fluss der Zeit, der sich zu beschleunigen scheint, seit ich anwesend bin. Ich trinke soviel Bier. Das Gasthaus füllt sich mit Kellnern oder auch Menschen, nein, nur Menschen tout court. Alles erglüht im Zeichen meiner Anwesenheit. Die Menschen fragen mich, wer ich bin, und ich gebe ihnen zur Antwort:
„Ich bin …“
Es ergibt sich, dass ein besonders aufgeweckter oder auch aufgeschreckter junger Mann neben mir Platz nimmt, der, nach einer gewissen anfänglichen Schüchternheit, sehr bereitwillig über seine Lebensumstände und den üblichen Schwachsinn – so seine Worte – Auskunft gibt. Ich habe gefunden; er hat das Zauberwort gesagt; er wird – bei mir – sein oder auch bleiben. Die übrigen Teilnehmer an den von mir initiierten Sauf- und Redekaskaden halten sich eher im Hintergrund; ich kann nicht für jeden von euch dasselbe bedeuten; es gibt Menschen, die sind auserwählt; und es gibt den Rest … Aber für jeden von ihnen kann der Begriff der Erlösung in einem sinnvollen Satz artikuliert werden – in reinem, unverfälschtem Deutsch. So will ich meine Jugend. Ich gebe daher – durchaus als exemplum – eine kurze Charakterisierung des jungen Mannes, auf dem meine Augen mit solchem Wohlgefallen ruhen: Daniel ist …